Test Sailfish Ignite

Mit dem Ignite bringt der führende Wetsuit-Hersteller Sailfish rund um Jan Sibbersen einen brandneuen Schwimm-Neopren auf den Markt, der schon viele Vorschusslorbeeren erhalten hat. Wir haben den Anzug auf Herz und Nieren getestet und zeigen euch, für wen er geeignet ist und für wen eher weniger. Eines vorneweg: Der Ignite ist ein sehr gelungener Anzug, der eine wichtige Lücke füllt. Er hat aber auch seine Limiten.

Technische Details

Beginnen wir mit den Hauptmerkmalen des Ignite: Ausser an zwei Stellen am Rücken und an den Waden wurde das hochwertige SCS Nr. 39 Neopren verarbeitet. Dieses weist sehr gute Gleiteigenschaften auf und überzeugt auch haptisch, fühlt es sich doch extrem geschmeidig an. Das Innenmaterial ist wie gewohnt bei Sailfish in alle Richtungen sehr flexibel und hochwertig. Hochwertig ist auch die Verarbeitung. Zusammen mit dem etwas dünneren Neopren (Schulter/Arme 1,5 mm, Brust/Ober-/Unterschenkel 3 mm) ergibt dies einen Anzug, der für diese Preisklasse sicherlich zu den flexibelsten auf dem Markt zählt. Die erwähnten nicht versiegelten Neoprenteile am Rücken und den Waden sind in leuchtendem Orange gehalten. Diese erhöhen die Sichtbarkeit beim Schwimmen massiv. Ein sehr intelligentes technisches Merkmal ist die Schlaufe unten am Reissverschluss. Sie erleichtert einerseits das Schliessen des Reissverschlusses deutlich. Zudem kann die Schwimmboje direkt an der Schlaufe befestigt werden und stört so noch weniger. Ein letztes neues Merkmal des Ignite ist der gerade Halsabschluss. Er liegt schön eng an, stört oder scheuert aber überhaupt nicht. Auch das ein gelungenes neues Detail.

Einstieg, Passform

Was sofort auffällt: Der Ignite lässt sich extrem leicht anziehen. Unser Testanzug war Grösse S, der gemäss Sailfish-Grössentabelle für mich deutlich am unteren Ende liegt. Doch selbst dieser eher „zu kleine“ Anzug zieht sich schon fast von alleine an. Die Passform erinnert sehr an einen der klassischen Triathlon-Neoprenanzüge und hat nur wenig mit einem einfacheren Open Water Anzug gemeinsam: satt anliegend, kaum Falten werfend. Wie angegossen. Auch die Schlaufe unter dem Reissverschluss ist Gold wert: Der Anzug lässt sich ohne externe Hilfe sehr gut schliessen. Der erste Eindruck zeigt: Auf diesen Anzug haben viele Hobby-Schwimmerinnen und -Schwimmer gewartet.

Schwimmperformance

Nun rein ins Wasser, welches mit rund 20 Grad (bei einer Lufttemperatur von 15 Grad) zwar recht angenehm ist, aber ohne Anzug – zumindest für mich – noch keinen längeren Open Water Ausflug erlauben würde. Die ersten Züge fühlen sich überraschend gut an. Der Flex an den Armen ist für einen solchen Anzug überragend. Auch wenn im Vergleich dazu die Triathlon-Neopren von Sailfish flexibler sind. Als Vergleich – der zugegeben etwas unfair ist – dient mir der Ultimate von Sailfish. Da liegen bezüglich Flexibilität doch noch einige Welten dazwischen. Doch noch einmal: Der Ignite ist ein flexibler Anzug, der auf unseren über 2 Kilometer langen Teststrecke im See überhaupt nicht ermüdend war. Der Auftrieb ist allerdings deutlich geringer als bei einem klassischen Triathlonneopren, der Aufwand für dieselbe Geschwindigkeit dementsprechend höher, ohne mit der Stoppuhr nachgemessen zu haben. Doch das dürfte die meisten Hobby-Schwimmerinnen und -Schwimmer, die den Anzug nicht im Wettkampfeinsatz haben, überhaupt nicht stören.
Noch ein Vorteil bringt der dünne Anzug: Auch Brustschwimmen ist problemlos möglich, selbst über längere Distanzen. Damit schliesst der Anzug eine wichtige Marktlücke bei den Hobbyschwimmerinnen und -schwimmer. Und spricht insgeheim manchem schlechten SchwimmerIn auch im Triathlonbereich aus dem Herzen.

Nachteile? Ja, gibt es.

Im Wasser zeigt sich, dass das flexible, dünne Neopren auch seine Limiten hat. Der Anzug „pumpt“ etwas, lässt wohl auch über die nicht versiegelten Neopreneinsätze im Rückenbereich etwas Wasser rein. Das stört weiter nicht besonders, verringert aber den Isolationseffekt und macht den Anzug sicherlich auch nicht schneller. Gerade bei tiefen Wassertemperaturen würde ich diesen Anzug wohl eher nicht empfehlen. Aber: Für Temperaturen ab ca. 17/18 Grad ist der Ignite für mich DER ideale Trainingsanzug. Das merkte ich bereits beim Anziehen, aber auch nach wenigen hundert Metern im Wasser. Doch für den Wettkampfeinsatz sehe ich den Anzug nicht. Zu wenig Auftrieb für die meisten unter uns, zu wenig Isolation und zu viel Tempoverlust (auch die praktische Schlaufe am Rücken trägt sicherlich nicht zu mehr Tempo bei). Zudem gibt der etwas verminderte Auftrieb auch weniger Sicherheit. Zwar bleibe ich mit dem Ignite auf dem Rücken liegend schon an der Wasseroberfläche, aber mit dem Ultimate schauen sogar noch die Zehen aus dem Wasser, was beim Ignite definitiv nicht geht – zumindest bei mir 😉

Fazit

Alles in allem der perfekte Anzug für alle, die einen Trainingsneopren suchen, der praktisch ist im Handling, flexibel im Armbereich, auch andere Stilarten als Crawl erlaubt und auch noch gut sichtbar ist. Und denen es egal ist, wenn der Anzug nicht ganz so viel Auftrieb gibt. Für kältere Temperaturen und für Wettkämpfe gibt es sicherlich geeignetere Anzüge.

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Marcel Kamm

Marcel Kamm

Autor

Mitinhaber, Geschäftsführer. Verantwortlich für Kommunikation, Trainingsplanung, Seminare. Marcel kümmert sich um alle Belange der Kommunikation, Positionierung, Strategie und Geschäftsentwicklung. Zudem betreut er als erfahrener Coach Athletinnen und Athleten aus Triathlon, Lauf- und Radsport.

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